Pilotstudie
Forschungs- und Entwicklungsprojekt ESSKI National (2004 - 2006)
Das
Programm "ESSKI - Eltern und Schule stärken Kinder" wurde unter der
Leitung von Prof. Barbara Fäh zwischen 2004 und 2006 als Kooperationsprojekt
der folgenden Institutionen entwickelt und wissenschaftlich evaluiert: Kompetenzzentrum
RessourcenPlus R+ (Hochschulen für Soziale Arbeit und Pädagogik der FHNW) ,
Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Fribourg,
Pädagogische Hochschule Zürich, Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und
andere Drogenprobleme (SFA).
Die Leitung
der Umsetzung des Projektes wurde von lic. phil. Michaela Schönenberger
übernommen.
Das Projekt wurde finanziert durch das Bundesamt für Gesundheit, die Jacobs
Stiftung, die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz, die Pädagogische Hochschule
Zürich und die Hochschule für Soziale Arbeit (FHNW).
BEGLEITSTUDIE
Das
zentrale Ziel der Begleitstudie (unter der Leitung von Prof. Dr. Holger Schmid)
bestand im Nachweis der Wirksamkeit der Interventionen bzw. ihrer Kombination.
Dabei wurde davon ausgegangen, dass die Kombination der drei
Interventionsprogramme in den Settings Familie und Schule die effektivste
Interventionsform im Sinne der ganzheitlichen Gesundheitsförderung ist.
Methodisch basierte die Studie auf einem experimentellen Forschungsdesign (drei
Experimentalgruppen, eine Kontrollgruppe) mit drei Messzeitpunkten – vor der
Intervention (Pre-test), nach der Intervention (Post-test) und vier Monate nach
Abschluss der Intervention (Follow-up). Zu diesen drei Messzeitpunkten wurden
quantitative Daten erhoben: Verhaltensmessungen bei den Kindern wurden mittels
Fremdevaluation (Einschätzung durch Lehrpersonen und Eltern) durchgeführt.
Zudem wurden Selbstevaluationen auf allen Ebenen – also bei Kindern, den
Erziehungsberechtigten und Lehrpersonen – zur Ermittlung der Wirksamkeit
herangezogen.
Das gewählte Forschungsdesign erlaubt es, die Effektivität der einzelnen
Interventionsprogramme sowie deren Kombination zu überprüfen.
In der Studie wurden folgende Programme eingesetzt:
- Lehrmittel "Fit und stark fürs Leben" bei 1464 Kindern der Schulstufen 1-6
- Weiterbildung "Stress- und Ressourcenmanagement" für 85 Lehrpersonen
- Förderung der erzieherischen Kompetenzen von 901 Eltern auf der Grundlage des für ESSKI angepassten Erziehungsprogramms Triple P
NACHGEWIESENE
WIRKUNGEN
Folgende Wirkungen konnten statistisch nachgewiesen werden:
Bei den Eltern, die eine Triple P Fortbildung gemacht haben,
- hat das positive, stärkende und unterstützende Erziehungsverhalten zugenommen, das dysfunktionale Erziehungsverhalten, insbesondere überreagierende Reaktionen, abgenommen (vgl. Cina et al., submitted)
- hat sich die Selbstwirksamkeit im Umgang mit kindlichem Problemverhalten erhöht (vgl. ebd.)
- ist die psychische Belastung gesunken, die Resilienz und die Lebenszufriedenheit gestiegen (vgl. Fäh, 2009).
Bei den
Lehrpersonen, welche die Fortbildung besucht haben,
- ist die Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit) erhöht worden
- konnten ausserdem keine
Veränderungen festgestellt werden.
Bei den ESSKI-Kindern konnten folgende Veränderungen festgestellt werden:
- Je mehr die psychische Belastung der Eltern abnimmt, desto mehr nehmen die Schwierigkeiten der Kinder ab (Fäh, 2009).
- Die Schwierigkeiten der Kinder (Emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, Probleme mit Gleichaltrigen) nehmen aus Sicht der Eltern und der Lehrpersonen ab. Die Veränderungen sind dabei bei älteren Kindern und Knaben stärker ausgeprägt (vgl. Fäh, 2009)
- Das Rauchverhalten der Kinder konnte positiv beeinflusst werden: "Der Trend zum vermehrten Rauchen, der in der Kontrollgruppe festzustellen ist, kann durch die Intervention in einen Trend zum verminderten Rauchen umgekehrt werden." (Schmid et al., 2008).
Insgesamt
zeigt sich, dass die Intervention auf der Ebene des Elternhauses die grössten
positiven Veränderungen hervorruft. Die hier berichteten Wirkungen sind alle statistisch
signifikant, die gefundenen Effekte waren allerdings gering. Da es sich bei
ESSKI um ein universelles Gesundheitsförderungsprogramm handelt und die
Veränderungen auf der Ebene der Kinder durch Beobachtung von Verhalten gemessen
wurden, waren keine grossen Effektstärken zu erwarten.
LITERATUR
Cina, A., Röösli, M., Schmid, H., Lattmann, U. P., Fäh, B., Schönenberger, M., et al. (submitted). Enhancing Well-being in Children by Family- and School-focused Interventions: A Randomized Controlled Trial. Journal of Consulting and Clinical Psychology.
Fäh, B. (2009). Starke Eltern - Starke Lehrer - Starke Kinder. Wie psychische Gesundheit von Eltern und Lehrern Kindern hilft. Marburg: Tectum.
Fäh, B., Schönenberger, M. (2007). Fit für die Zukunft – „Eltern und Schule stärken Kinder“. In: Newsletter b+g, bildung und gesundheit Netzwerk Schweiz, 05
Sandmeier, A., Schönenberger, M., & Schmid, H. (2009). Schlussbericht zur Evaluation von ESSKI-Z - Eltern und Schule stärken Kinder im Kanton Zug. Olten: Hochschule für Soziale Arbeit FHNW.
Schmid, H., Schönenberger, M., Fäh, B., Anliker, S., Bodenmann, G., Cina, A., Kern, W., Lattmann, U.P., Dallago, L. (2008). Promozione della salute per bambini, genitori e insegnanti. Una sperimentazione controllata e randomizzata. In: Psyicologia di Comunità.
Schmid, H., Fäh, B., Bodenmann, G., Schönenberger, M., Lattmann, U. P., Cina, A., et al. (2008). Eltern und Schule stärken Kinder (ESSKI): Ein Mehrebenenansatz zur Förderung der sozialen Kompetenz und gesunden Verhaltens. In T. Malti & S. Perren (Eds.), Soziale Kompetenz bei Kindern und Jugendlichen. Entwicklungsprozesse und Förderungsmöglichkeiten. Stuttgart: Kohlhammer.
Schönenberger, M., Lattmann, U. P., Fäh, B., Schmid, H., Bodenmann, G., Cina, A., et al. (2006). "Eltern und Schule stärken Kinder" (ESSKI). Konzept eines mehrdimensionalen Forschungs- und Entwicklungsprojekts im Bereich psychsoziale Gesundheit in Schule und Elternhause. abhängigkeiten(1), 60-74.
Schönenberger, M., Schmid, H., Fäh, B., Bodenmann, G., Lattmann, U. P., Cina, A., et al. (2007). Projektbericht: "Eltern und Schule stärken Kinder" (ESSKI). Ein Projekt zur Förderung der Gesundheit von Lehrpersonen, Kindern und Eltern und zur Prävention von Stress, Aggression und Sucht. Konzept und Ergebnisse eines mehrdimensionalen Forschungs- und Entwicklungsprojekts im Bereich psychosoziale Gesundheit in Schule und Elternhaus. Olten: Fachhochschule Nordwestschweiz.